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Philipp Marx

Nachwehen nach der Geburt: warum sie auftreten und wann es zu viel ist

Nachwehen sind krampfartige Unterleibsschmerzen im Wochenbett, weil sich die Gebärmutter nach der Geburt zusammenzieht und wieder kleiner wird. Viele spüren sie besonders beim Stillen, manche kaum. Dieser Artikel erklärt, was dabei im Uterus passiert, wie sich Nachwehen typischerweise anfühlen, welche Maßnahmen wirklich helfen und welche Warnzeichen nicht zu den normalen Nachwehen passen.

Eine frischgebackene Mutter liegt entspannt im Wochenbett und hält eine Wärmflasche am Unterbauch, um Nachwehen zu lindern

Was sind Nachwehen

Nachwehen sind Kontraktionen der Gebärmutter nach der Geburt. Der Uterus arbeitet sich in den Tagen und Wochen nach der Entbindung zurück in Richtung Ausgangszustand. Diese Rückbildung kann sich anfühlen wie Periodenschmerzen oder wie kurze, wiederkehrende Wehen.

Nachwehen sind nicht nur Schmerz. Sie sind auch Teil der Blutstillung im Uterus und können mit dem Wochenfluss zusammenhängen, weil sich der Bereich, an dem die Plazenta saß, weiter zusammenzieht.

Warum Nachwehen auftreten

Nach der Geburt ist die Gebärmutter deutlich vergrößert und gut durchblutet. Durch rhythmische Kontraktionen wird Gewebe fester, Blutgefäße werden zusammengedrückt und die Rückbildung wird unterstützt. Das ist die biologische Hauptidee hinter Nachwehen.

Warum Stillen Nachwehen verstärken kann

Beim Stillen werden körpereigene Signale aktiviert, die die Gebärmutter zusätzlich zum Zusammenziehen bringen. Viele merken deshalb beim Anlegen oder während eines Milchspendereflexes deutlich stärkere Krämpfe. Das ist ein häufiger, typischer Zusammenhang. NHS: Körper nach der Geburt, Rückbildung und krampfartige Schmerzen

Wer Nachwehen häufiger stark spürt

  • Menschen, die schon einmal geboren haben, berichten oft stärkere Nachwehen als beim ersten Mal
  • Stillende bemerken Nachwehen häufiger in Wellen um das Stillen herum
  • Ein voller Blase oder Verstopfung kann Druck im Unterbauch verstärken und Krämpfe subjektiv schlimmer machen

Wie sich Nachwehen typischerweise anfühlen

Normal sind wellenartige Schmerzen im Unterbauch, die kommen und gehen. Viele beschreiben ein Ziehen mittig hinter dem Schambein oder ein diffuses Krampfen, manchmal mit Ausstrahlung in Rücken oder Leiste.

Typisch ist auch ein Muster: stärker in den ersten Tagen, dann allmählich weniger. Beim Stillen können sie in diesen Tagen kurz deutlich aufflammen und danach wieder abklingen. Wenn der Verlauf insgesamt in Richtung weniger Schmerz geht, passt das eher zu normalen Nachwehen.

Nachwehen und Wochenfluss

Manche bemerken, dass der Wochenfluss während oder direkt nach dem Stillen kurzfristig stärker wird oder wieder etwas röter aussieht. Das kann damit zusammenhängen, dass der Uterus in dieser Phase stärker arbeitet. NHS: Wochenfluss und Veränderungen beim Stillen

Was hilft gegen Nachwehen Schmerz

Ziel ist nicht, alles wegzudrücken, sondern das Niveau so zu senken, dass du schlafen, stillen, essen und dich bewegen kannst. Nachwehen werden oft unterschätzt, weil sie für Außenstehende unsichtbar sind.

Sanfte Maßnahmen, die oft funktionieren

  • Wärme am Unterbauch, zum Beispiel Wärmflasche oder warmes Kirschkernkissen
  • Positionswechsel statt starrem Liegen, kurze Wege in der Wohnung, wenn es sich gut anfühlt
  • Blase regelmäßig entleeren, weil ein voller Unterbauch Druck verstärken kann
  • Ruhige Atmung während der Schmerzspitzen, ähnlich wie bei Periodenkrämpfen

Ibuprofen, Paracetamol und Stillen

Viele brauchen in den ersten Tagen Schmerzmittel, und das ist im Wochenbett üblich. Für Stillende gelten Ibuprofen und Paracetamol häufig als erste Wahl, weil sie in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen und in der Praxis breit eingesetzt werden. ACOG beschreibt Ibuprofen und Paracetamol als typische Erstlinienmedikamente für postpartale Schmerzen bei Personen, die Muttermilch geben möchten. ACOG: Schmerzmanagement nach der Geburt

Wenn du konkrete Fragen zu Dosierung, Vorerkrankungen, Magenproblemen, Asthma, Blutgerinnung oder anderen Medikamenten hast, ist eine individuelle Einschätzung wichtig. In der LactMed Datenbank wird Ibuprofen als bevorzugte Option in der Stillzeit beschrieben, weil die Mengen in der Muttermilch sehr niedrig sind. LactMed: Ibuprofen in der Stillzeit

Wann Nachwehen nicht mehr normal wirken

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob du Schmerzen hast, sondern ob das Gesamtbild zu Rückbildung passt. Nachwehen sind meist wellenartig, eher mittig, häufig getriggert durch Stillen, und sie werden mit der Zeit besser. Wenn der Schmerz intensiver wird, ständig da ist oder von anderen Warnzeichen begleitet wird, passt das weniger zu normalen Nachwehen.

Warnzeichen, die du zeitnah abklären lassen solltest

  • Fieber, Schüttelfrost oder deutliches Krankheitsgefühl
  • Übel riechender Wochenfluss oder zunehmende Empfindlichkeit der Gebärmutter bei Berührung
  • Schmerzen werden von Tag zu Tag stärker statt schwächer
  • Starke Blutung, große Blutklumpen oder plötzlich wieder deutlich mehr Blut nach vorheriger Besserung
  • Einseitiger, stechender Schmerz, der nicht wellenartig kommt und geht
  • Starke Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Schwierigkeiten, die Blase zu entleeren

Blutung und Unterbauchschmerz zusammen denken

Manchmal steht nicht der Krampf im Vordergrund, sondern eine Kombination aus stärker werdender Blutung, schlechtem Geruch und Unterbauchschmerz. Das kann auf eine Infektion oder andere Ursachen hinweisen und sollte medizinisch bewertet werden. Hinweise zu Warnzeichen bei zunehmender Blutung im Wochenbett beschreibt auch das RCOG. RCOG: Stärkere Blutung nach der Geburt, Warnzeichen

Häufige Verwechslungen

Nachwehen sind nicht die einzige Ursache für Unterleibsschmerzen nach der Geburt. Gerade in den ersten Wochen kann sich vieles ähnlich anfühlen. Darum hilft eine grobe Sortierung nach Mustern.

Verdauung und Beckenboden

Verstopfung, Luft im Darm und ein gereizter Beckenboden können Druck und Krämpfe auslösen, die wie Uterusschmerz wirken. Wenn der Schmerz eher mit Essen, Stuhlgang oder Blähungen zusammenhängt, kann das ein Hinweis sein.

Harnwege

Reizung, Infektion oder Probleme beim vollständigen Entleeren der Blase können Unterbauchschmerz machen und sollten ernst genommen werden, besonders wenn Brennen, häufiger Harndrang oder Fieber dazukommen.

Geburtsverletzungen

Schmerzen durch Dammriss oder Naht sitzen eher am Scheideneingang oder Damm und werden beim Sitzen, Aufstehen oder Toilettengang stärker, während Nachwehen eher als tiefer Unterbauchkrampf beschrieben werden. Beides kann gleichzeitig auftreten.

Praktischer Plan für den Alltag im Wochenbett

Viele kommen besser zurecht, wenn sie nicht jeden Schmerz neu bewerten müssen. Ein einfacher, wiederholbarer Plan kann helfen, besonders in Nächten mit häufigem Stillen.

  • Wärme bereit legen, bevor du dich hinlegst
  • Trinken und Blase entleeren, bevor du längere Zeit liegst
  • Schmerzmittel nicht erst nehmen, wenn der Schmerz maximal ist, sondern so, wie es dir empfohlen wurde
  • Stillposition wählen, die Unterbauch und Rücken entlastet
  • Wenn du unsicher bist, Verlauf notieren: wann, wie stark, welche Begleitsymptome

Wenn du das Gefühl hast, du kannst wegen der Schmerzen nicht schlafen, nicht stillen oder du hast Angst vor jeder nächsten Welle, ist das ein guter Grund, aktiv Hilfe zu holen. Es geht nicht um Aushalten, sondern um einen sicheren Verlauf.

Fazit

Nachwehen sind ein häufiges Zeichen dafür, dass der Uterus nach der Geburt arbeitet und sich zurückbildet. Sie sind oft in den ersten Tagen am stärksten und können beim Stillen deutlicher spürbar sein. Wenn der Verlauf insgesamt besser wird, passt das eher zu normalen Nachwehen. Wenn Schmerzen zunehmen oder Warnzeichen wie Fieber, übler Geruch oder stärkere Blutung dazukommen, sollte das zeitnah medizinisch geprüft werden.

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Häufige Fragen zu Nachwehen und Unterleibsschmerzen

Viele spüren Nachwehen vor allem in den ersten Tagen, danach werden sie meist deutlich schwächer, aber einzelne Wellen können bei manchen noch etwas länger auftreten, besonders rund um das Stillen.

Beim Stillen werden körpereigene Signale aktiviert, die die Gebärmutter zusätzlich zusammenziehen lassen, damit die Rückbildung unterstützt wird, und das kann sich wie verstärkte Krämpfe anfühlen.

Typisch sind wellenartige Krämpfe mittig im Unterbauch, ähnlich wie Periodenschmerzen, die kommen und gehen und im Verlauf über Tage insgesamt weniger werden.

Ibuprofen wird häufig als geeignete Option in der Stillzeit genutzt, aber ob es für dich passt, hängt von Faktoren wie Magen, Nieren, Asthma, Blutgerinnung und anderen Medikamenten ab, deshalb ist eine individuelle Empfehlung wichtig.

Wärme am Unterbauch, ein Positionswechsel, Blase entleeren und eine gut abgestimmte Schmerztherapie helfen vielen, besonders wenn die Schmerzen in Wellen kommen und rund ums Stillen auftreten.

Wenn Schmerzen stärker statt schwächer werden oder wenn Fieber, übel riechender Wochenfluss, starke oder zunehmende Blutung, große Blutklumpen, Kreislaufprobleme oder neue Probleme beim Wasserlassen dazukommen, solltest du das zeitnah abklären lassen.

Nachwehen sind meist wellenartig und eher mittig, während ein Harnwegsinfekt häufiger mit Brennen, ständigem Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen oder dem Gefühl unvollständiger Entleerung einhergeht.

Ein kurzfristig stärkerer Wochenfluss kann um Stillphasen herum vorkommen, aber wenn die Blutung insgesamt zunimmt, wieder sehr rot wird oder große Blutklumpen auftreten, sollte das beurteilt werden.

Viele berichten nach weiteren Geburten stärkere Nachwehen, was damit zusammenhängen kann, dass der Uterus kräftiger arbeiten muss und die Kontraktionen deutlicher spürbar sind.

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