Schwangerschaft kann die Haut sichtbar verändern. Eine typische Veränderung ist die Linea nigra, eine bräunliche Mittellinie vom Schambein bis zum Nabel und manchmal bis zum Brustbein. Der Beitrag erklärt, wie sie entsteht, wie häufig sie ist, wann sie erscheint und wieder verblasst – plus praktische Pflegehinweise mit verlässlichen Quellen.
Was ist die Linea Nigra?
Die Linea nigra ist die sichtbar dunkle Variante der sonst hellen Linea alba, einer Bindegewebsnaht in der Bauchmitte. Während der Schwangerschaft produzieren Hautpigmentzellen mehr Melanin, die Linie wird deutlicher. Medizinisch gilt sie als normales, kosmetisches Phänomen. Gute Kurzinfos liefern der NHS-Ratgeber sowie die Cleveland Clinic.
Wie häufig ist sie – und bei wem?
Je nach Studie sehen etwa 50–90 % der Schwangeren eine Linea nigra. Bei dunkleren Hauttönen ist sie häufiger und oft deutlicher sichtbar. Einen behördlichen Überblick zu Hautveränderungen in der Schwangerschaft bietet Pregnancy, Birth & Baby; weiterführende Fachliteratur findet sich über PubMed.
Wann erscheint die Linie – und wann verblasst sie?
Häufig wird die Linie im zweiten Trimester sichtbar (oft SSW 15–22) und dunkelt bis zur Geburt nach. Nach der Entbindung verblasst sie meist innerhalb von 6–12 Wochen, gelegentlich dauert es bis zu einem Jahr; eine zarte Restspur kann bleiben. Das deckt sich mit Angaben der Cleveland Clinic und des NHS.
| Phase | Typischer Zeitraum | Hinweis |
|---|---|---|
| Erstauftreten | SSW 15–22 | Im 2. Trimester zunehmend sichtbar |
| Nachdunkeln | Bis zur Geburt | UV-Licht kann intensivieren |
| Abblassen | 6–12 Wo nach Geburt | Einzelfälle bis ~12 Monate |
Warum entsteht die Pigmentlinie?
- Hormonelle Umstellung: Schwangerschaftshormone und melanotrope Signale erhöhen die Melaninbildung.
- Hauttyp & Genetik: Dunklere Hauttypen und familiäre Neigung zeigen oft stärkere Pigmentierung.
- UV-Licht: Sonne und Solarium können das Nachdunkeln verstärken.
- Wiederauftreten: In Folgeschwangerschaften wird die Linie häufig erneut sichtbar.
Sonderfälle: Ohne Schwangerschaft, bei Neugeborenen
Selten tritt eine pigmentierte Mittellinie auch ohne Schwangerschaft auf, etwa bei hormonellen Störungen oder unter bestimmten Medikamenten. Bei Neugeborenen kann eine feine Linie vorübergehend auftreten und verschwindet meist von selbst. Für Detailrecherche: PubMed/NCBI.
Pflege & Do’s/Don’ts
Die Linie lässt sich nicht zuverlässig verhindern, aber ihr Nachdunkeln kann abgeschwächt werden:
- Täglicher Sonnenschutz: Breitband-LSF 30+ großzügig auftragen und nachcremen. Kleidung allein blockt UV nicht vollständig. Mineralische Filter (Zinkoxid/Titandioxid) gelten in der Schwangerschaft als gut verträglich. Orientierung: ACOG, Basisinfos auch beim NHS.
- Sanfte Wirkstoffe: Vitamin C, Niacinamid oder Azelainsäure werden häufig gut vertragen; starke Peelings nur vorsichtig. Evidenzübersichten u. a. via Cochrane.
- Vermeiden in der Schwangerschaft: Retinoide und Hydrochinon werden nicht empfohlen; ärztlich beraten lassen. Hinweis: ACOG.
- Allgemein: Ausgewogene, antioxidantienreiche Ernährung und ausreichende Folsäure sind sinnvoll, auch unabhängig von der Linie. Grundinfos: NHS.

Dermatologische Optionen nach der Stillzeit
Wenn die Linie langfristig stört, kommen in dermatologischer Behandlung z. B. mitteltiefe chemische Peelings, Laser oder Lichttherapien und individuelle Rezepturen in Frage. Während Schwangerschaft und Stillzeit wird grundsätzlich zurückhaltend therapiert. Grundlegende Einordnung: ACOG; Patienteninfos: Cleveland Clinic.
Mythen & Fakten
- „Die Linie verrät das Geschlecht.“ Nein. Es gibt keinen belastbaren Zusammenhang. Siehe Kurzinfos beim NHS.
- „Frühes Auftreten bedeutet Zwillinge.“ Falsch. Sichtbarkeit wird vor allem durch Hormone, Hauttyp und UV-Exposition beeinflusst.
- „Nur dunkle Hauttypen bekommen sie.“ Ebenfalls falsch. Auch sehr helle Hauttypen können eine Linie haben; sie fällt oft weniger stark auf. Überblick: Pregnancy, Birth & Baby.
- „Mit der richtigen Creme verschwindet sie sofort.“ Nein. Verlässlich helfen Zeit, Sonnenschutz und milde Pflege. Vgl. Cleveland Clinic.
- „Peelings oder hartes Schrubben lassen sie schneller gehen.“ Übertriebene Reibung reizt die Haut und kann Pigmentprobleme sogar verstärken.
- „Selbstbräuner kaschiert ohne Nebenwirkung.“ Er kann die Umgebung abdunkeln und den Kontrast mindern, betont aber bei ungleichmäßiger Anwendung die Linie.
- „Solarium hilft gegen die Linie.“ UV-Strahlung kann Pigmentierungen intensivieren und wird nicht empfohlen.
- „Nach dem Kaiserschnitt verschwindet sie schneller.“ Die Art der Entbindung beeinflusst das Abblassen nicht maßgeblich; entscheidend ist der Hormonrückgang nach der Geburt.
- „Stillen hält die Linie fest.“ Einige Pigmentveränderungen können in der Stillzeit länger bestehen, verblassen aber in der Regel mit der Zeit.
- „Linea nigra ist dasselbe wie Schwangerschaftsstreifen.“ Nein. Schwangerschaftsstreifen sind Bindegewebsrisse, die Linie ist eine oberflächliche Pigmentierung.
Wann zum Arzt?
Die Linea nigra ist gewöhnlich harmlos. Ärztlich abklären lassen solltest du rasch wachsende, unregelmäßig begrenzte oder farblich ungewöhnliche Hautveränderungen, starke Beschwerden (Juckreiz, Brennen, Knoten) oder wenn die Linie dich anhaltend belastet. Bei Unsicherheit hilft die hausärztliche oder dermatologische Ersteinschätzung.
Fazit
Die Linea nigra ist ein häufiges, hormonbedingtes Hautzeichen der Schwangerschaft. Sie erscheint meist im zweiten Trimester und verblasst nach der Geburt von selbst. Am wirksamsten sind Sonnenschutz, milde Pflege und Geduld – medizinisch ist sie in der Regel unbedenklich.

