Welche Stellung zum Schwangerwerden? Sexstellungen, Timing und Mythen
Missionarsstellung, Reiterstellung oder Doggy Style: Beim Kinderwunsch gibt es viele Empfehlungen, aber keinen belegten Vorteil einer bestimmten Sexstellung. Wie plausibel sind die Theorien zu Schwerkraft und Eindringtiefe? Hier erfährst du, welche Positionen es gibt, was Studien tatsächlich zeigen und worauf es beim Timing und nach dem Sex ankommt.

Kurz erklärt
- Keine Sexstellung ist zum Schwangerwerden nachweislich besser als andere. Wählt eine Position, die angenehm ist und keine Schmerzen macht.
- Schwerkraft und Eindringtiefe können beeinflussen, wo Samenflüssigkeit liegt. Mehr Schwangerschaften sind dadurch nicht nachgewiesen.
- Die Tage vor dem Eisprung und regelmäßiger Sex sind für den Kinderwunsch wichtiger als ein bestimmter Winkel.
- Herauslaufendes Sperma und Wasserlassen nach dem Sex schließen eine Schwangerschaft nicht aus.
Gibt es eine beste Stellung zum Schwangerwerden?
Eine medizinisch empfohlene beste Stellung gibt es nach heutigem Wissen nicht. Die amerikanische Fachgesellschaft für Reproduktionsmedizin ASRM sieht keinen belegten Empfängnisvorteil einer bestimmten Sexstellung oder längeren Ruhens danach. ASRM: natürliche Fruchtbarkeit
Die Wahl kann trotzdem einen Unterschied für euch machen: Wenn vaginaler Sex mit Samenerguss in der Vagina angenehm und gut möglich ist, fällt regelmäßiger Sex oft leichter. Dieser praktische Nutzen lässt sich von der Behauptung unterscheiden, ein bestimmter Winkel erhöhe unmittelbar die Befruchtungschance.
Was mit den Spermien nach dem Sex passiert
Beim vaginalen Samenerguss gelangt die Samenflüssigkeit zunächst in die Vagina. Bewegliche Spermien können anschließend durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter und weiter in Richtung Eileiter gelangen. Dort kann eine Befruchtung stattfinden, wenn eine befruchtungsfähige Eizelle vorhanden ist. Nur ein kleiner Teil der Spermien kommt überhaupt so weit. familienplanung.de: Eisprung und Befruchtung
Dabei zählt nicht nur, wo die Samenflüssigkeit zuerst liegt. Entscheidend sind unter anderem bewegliche Spermien, durchgängige Eileiter und ein passender Zeitpunkt zum Eisprung. Eine Stellung behebt keine Probleme auf diesem Weg. Wenn dich der Unterschied zwischen Samenflüssigkeit, Spermien und Spermienqualität interessiert, erklärt ihn unser Überblick über Sperma.

Schwerkraft und Eindringtiefe: Was ist an den Theorien dran?
Beim Liegen soll mehr Sperma im Körper bleiben, tiefes Eindringen soll den Weg verkürzen: So lauten zwei verbreitete Überlegungen. Sie sind als körperliche Mechanismen durchaus plausibel. Entscheidend ist aber, ob daraus auch häufiger eine Schwangerschaft entsteht.
Schwerkraft beeinflusst Flüssigkeit, erklärt aber nicht den ganzen Transport
Schwerkraft beeinflusst, wohin Flüssigkeit fließt. Wenn du aufstehst, kann deshalb mehr sichtbar herauslaufen. Spermien folgen aber keinem rein passiven Weg nach oben oder unten. Sie gelangen in den Zervixschleim, also den Schleim im Gebärmutterhals. Ihre eigene Beweglichkeit und Kontraktionen der Gebärmutter tragen zum Weitertransport bei.
Eine Studie von 1996 verfolgte spermiengroße, markierte Partikel vom äußeren Muttermund aus und untersuchte wellenförmige Gebärmutterkontraktionen. Die Ergebnisse stützen die Bedeutung körpereigener Transportmechanismen. Untersucht wurden allerdings Partikel und Transportwege, keine Schwangerschaftsraten bei verschiedenen Sexstellungen. Kunz et al.: Transport im Genitaltrakt
Was daraus folgt: Weniger sichtbarer Rückfluss bedeutet nicht automatisch eine höhere Schwangerschaftschance. Auch in der Reiterstellung oder im Stehen ist eine Empfängnis möglich. Liegenbleiben ist dafür keine Voraussetzung.
Mehr Eindringtiefe bedeutet nicht automatisch mehr Schwangerschaften
Tieferes Eindringen kann verändern, wo Samenflüssigkeit in der Vagina abgegeben wird. Die Anatomie ist dabei beweglich: Eine kleine MRT-Studie von 1999 zeigte Veränderungen der Vagina und der Gebärmutterlage bei Erregung und Penetration. Sie machte körperliche Vorgänge sichtbar, untersuchte aber keinen Vorteil tiefer Penetration für die Empfängnis. Schultz et al.: MRT-Aufnahmen während Sex und Erregung
Ein kürzerer Weg zum Muttermund klingt zunächst günstig. Ob dadurch bei Samenerguss in der Vagina häufiger eine Schwangerschaft entsteht, ist jedoch nicht belegt. Es gibt keine dafür erforderliche Eindringtiefe in Zentimetern. Der Penis muss den Muttermund weder berühren noch gegen ihn drücken; auch ein kleinerer Penis schließt eine Schwangerschaft nicht aus.
Wie groß könnte ein Vorteil sein?
Eine verlässliche Rangfolge oder Prozentzahl lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten. Fehlende Belege für einen Vorteil beweisen zwar nicht, dass jeder denkbare Effekt ausgeschlossen ist. Für eine Empfehlung müssten Studien aber zeigen, dass eine Stellung tatsächlich mehr Schwangerschaften oder Geburten ermöglicht. Anatomische Aufnahmen und weniger herauslaufende Flüssigkeit reichen dafür nicht aus.
Die praktische Konsequenz: Eine angenehme Rückenlage oder ein Kissen könnt ihr nutzen. Ihr müsst dafür keine Schmerzen aushalten. Wählt eine bequeme Stellung und richtet eure Aufmerksamkeit auf die fruchtbaren Tage.
Sexstellungen mit Namen: die wichtigsten Varianten erklärt
Viele Namen bezeichnen dieselbe Grundposition oder kleine Abwandlungen. Wenn es um Empfängnis geht, ist hier vaginaler Sex gemeint; eine Position von hinten bedeutet beispielsweise nicht automatisch Analverkehr. Für den allgemeinen Ablauf und die Unterschiede zwischen sexuellen Praktiken hilft der Überblick Wie funktioniert Sex?
- Missionarsstellung
- Eine Person liegt auf dem Rücken, die andere befindet sich zugewandt darüber. Blickkontakt und Kommunikation sind leicht möglich. Beinposition und Abstützung verändern den Winkel; das Körpergewicht sollte angenehm verteilt bleiben.
- Doggy Style oder Hündchenstellung
- Gemeint ist eine Position von hinten, häufig im Knien, wobei sich die vordere Person auf Händen oder Unterarmen abstützt. Der Winkel kann mehr Tiefe ermöglichen. Gebt deshalb früh Rückmeldung, wenn etwas drückt oder schmerzt.
- Reiterstellung oder Cowgirl
- Die Person mit Vagina sitzt oben, meist der unten liegenden Person zugewandt. Dadurch lässt sich die Eindringtiefe häufig gut selbst begrenzen. Dafür tragen Knie und Oberschenkel mehr Last. Ob diese Variante bequem ist, hängt also auch von Beweglichkeit, Unterlage und Abstützung ab.
- Umgekehrte Reiterstellung oder Reverse Cowgirl
- Die obere Person blickt in die andere Richtung als bei der klassischen Reiterstellung. Das verändert Winkel und Körperkontakt; direkter Blickkontakt ist schwieriger. Beim Wechsel der Position sind ruhige, abgestimmte Bewegungen sinnvoll. Wie bei der Reiterstellung können Knie und Oberschenkel stärker beansprucht werden.
- Löffelchenstellung oder Spooning
- Beide liegen seitlich, eine Person hinter der anderen. Die Unterlage trägt viel Körpergewicht, und die Bewegungen sind oft kleiner. Das kann bei Müdigkeit oder dem Wunsch nach wenig körperlicher Belastung angenehm sein. Die Stellung lässt sich über die Lage der Beine anpassen.
- Sitzende Stellung und Lotusstellung
- Bei einer sitzenden Position sitzen sich beide zugewandt, eine Person auf dem Schoß der anderen. Die Lotusstellung ist eine engere Variante, häufig mit verschränkten Beinen. Sie erlaubt viel Körperkontakt, verlangt aber je nach Ausführung Beweglichkeit in Hüfte und Knien. Eine bequeme Sitzposition braucht keinen bestimmten Namen.
- Kantenstellung und Schmetterlingsstellung
- Bei Kantenvarianten liegt eine Person nahe am Rand einer stabilen Unterlage, die andere steht oder kniet davor. Der Name Schmetterlingsstellung wird häufig für eine solche Rückenlage mit angehobenen oder geöffneten Beinen verwendet. Höhe, Abstützung und Winkel bestimmen den Komfort; der Name ist nicht überall gleich definiert.
- Stehende Stellung
- Beide befinden sich überwiegend im Stehen. Körpergröße, Gleichgewicht und Halt spielen dabei eine größere Rolle als in liegenden Positionen. Eine stabile Abstützung kann helfen; wenn es anstrengend wird, wechselt die Lage.
- Wiener Auster
- Damit ist meist eine Variante der Missionarsstellung mit stark angehobenen, zum Oberkörper geführten Beinen gemeint. Sie kann eine größere Eindringtiefe ermöglichen und verlangt mehr Beweglichkeit. Eine solche Position muss weder ausprobiert noch ausgehalten werden, um schwanger zu werden.
- Scherenstellung
- Der Begriff beschreibt unterschiedliche Positionen mit seitlich versetzten oder ineinander verschränkten Beinen. Manche Varianten umfassen vaginale Penetration, andere vor allem äußeren Kontakt. Der Name allein sagt deshalb weder etwas über den genauen Ablauf noch über eine mögliche Schwangerschaft aus.
- Coital Alignment Technique
- Diese Bezeichnung meint eine abgewandelte Missionarsstellung, bei der Körperlage und Kontakt stärker auf die äußere Stimulation der Klitoris ausgerichtet sind. Sie gehört zur Frage, wie Sex angenehm sein kann, und ist keine Technik mit belegtem Vorteil für die Empfängnis.
- 69
- 69 bezeichnet gegenseitigen Oralverkehr. Er gehört zum Spektrum sexueller Nähe, ist aber keine Stellung für vaginalen Geschlechtsverkehr. Durch Oralverkehr allein entsteht keine Schwangerschaft; dafür müssten Spermien zusätzlich an den Scheideneingang oder in die Vagina gelangen.
Namen wie Monkey Style, Pretzel oder Spork sind nicht einheitlich definiert. Beschreibt einander deshalb lieber, welche Körperlage ihr meint. Ein gemeinsames Verständnis ist hilfreicher als möglichst viele Stellungsnamen zu kennen.
Welche Stellung passt zu euch?
Ihr müsst keine Liste abarbeiten oder ständig die Position wechseln. Oft reichen ein oder zwei vertraute Varianten, die sich an eure Bedürfnisse anpassen lassen.
- Für wenig Belastung: Eine Seitenlage kann helfen, weil weder Arme noch Knie dauerhaft viel Gewicht tragen müssen.
- Für Kontrolle über die Tiefe: Eine Position, in der die Person mit Vagina Bewegung und Abstand mitbestimmt, kann angenehmer sein, etwa die Reiterstellung.
- Für Blickkontakt und Nähe: Zugewandte Rücken- oder Sitzlagen bieten dafür oft gute Möglichkeiten.
- Bei unterschiedlichen Körpergrößen: Eine stabile Unterlage, eine andere Sitzhöhe oder ein Kissen als bequeme Stütze können das Ausprobieren erleichtern.
Bei einer nach hinten geneigten Gebärmutter wird oft zusätzlich eine Stellung von hinten empfohlen. Eine solche Lage ist häufig eine normale anatomische Variante und für sich genommen gewöhnlich kein Fruchtbarkeitshindernis. Wenn gleichzeitig Schmerzen oder Endometriose vorliegen, ist deren Ursache wichtig. Eine besondere Stellung ist keine Behandlung dafür. Cleveland Clinic: nach hinten geneigte Gebärmutter
Du brauchst keine medizinische Begründung, wenn du eine Position nicht magst. Mehr zu Erregung, Kommunikation und einem ruhigen Einstieg findest du bei Vorspiel und dem ersten Mal. Geht es dir um bequeme Positionen bei einer bereits bestehenden Schwangerschaft, passt der eigene Ratgeber zu Sex in der Schwangerschaft.
Orgasmus, Kissen und Geschlechtswahl: weitere Theorien
Auch zu Orgasmus und Verhalten nach dem Sex gibt es verbreitete Versprechen. Diese drei halten einer Prüfung des behaupteten Nutzens nicht stand:
- Beine hoch und Kissen unter dem Po erhöhen die Chancen
- Für solche Rituale ist kein Zusatznutzen nachgewiesen. Ein Kissen darf natürlich dem Komfort dienen; eine vorgeschriebene Beckenhöhe oder Wartezeit gibt es bei natürlicher Empfängnis nicht.
- Ein weiblicher Orgasmus ist nötig, damit Spermien ankommen
- Ein Orgasmus kann Muskelkontraktionen auslösen und ist als möglicher Einfluss auf den Transport untersucht worden. Ein belegter Vorteil für die Schwangerschaftschance ergibt sich daraus nicht. Er ist keine Voraussetzung für eine Empfängnis, und ihr müsst ihn nicht passend zum Samenerguss erreichen.
- Die Stellung entscheidet, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird
- Für eine Steuerung des kindlichen Geschlechts durch Stellung, Eindringtiefe oder einen bestimmten sexuellen Ablauf gibt es keine überzeugenden Belege.
Die Fachübersicht der ASRM ordnet diese Fragen zu Stellung, Verhalten nach dem Sex, Orgasmus und Geschlechtswahl gemeinsam ein. ASRM: Empfehlungen zur natürlichen Empfängnis
Timing: Wann Sex die größte Chance bietet
Das fruchtbare Fenster umfasst ungefähr die fünf Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag selbst. Spermien können unter günstigen Bedingungen mehrere Tage überleben; die Eizelle ist nach dem Eisprung nur kurz befruchtungsfähig. Deshalb sind gerade die Tage davor wichtig. Wer ausschließlich auf den vermeintlich exakt richtigen Eisprungmoment wartet, kann günstige Gelegenheiten verpassen. familienplanung.de: die fruchtbaren Tage
Ein Kalender liefert eine Schätzung, keine Bestätigung des Eisprungs. Auch bei regelmäßigem Zyklus kann sich der Zeitpunkt verschieben. Veränderungen des Zervixschleims und LH-Tests können zusätzliche Hinweise geben; sie machen aus Kinderwunsch aber keine minutengenaue Terminaufgabe. Zur Einordnung helfen die Beiträge zu Eisprung und LH-Tests.
Ein Beispiel: Wird der Eisprung für das Wochenende erwartet, kann Sex an den Tagen davor bereits in das fruchtbare Fenster fallen. Ihr müsst nicht auf den Sonntag oder einen positiven LH-Test warten.
Wie oft Sex beim Kinderwunsch sinnvoll ist
Eine alltagstaugliche Möglichkeit ist Sex alle zwei bis drei Tage über den Zyklus hinweg. So müsst ihr den Eisprung nicht exakt vorhersagen. Diese Orientierung nennt auch der NHS. NHS: schwanger werden
Wenn ihr gezielt das fruchtbare Fenster nutzt, ist Sex alle ein bis zwei Tage eine übliche Empfehlung. Täglicher Sex ist bei unauffälligen Befunden ebenfalls möglich; längeres Aufsparen ist normalerweise nicht erforderlich. ASRM: Häufigkeit beim Kinderwunsch
Entscheidend ist, dass die Häufigkeit für euch passt. Vorgaben vor einer Samenprobe oder einer Behandlung sind eine andere Situation und sollten mit der Praxis besprochen werden.
Wird aus jedem fruchtbaren Tag eine Pflicht, darf der Plan einfacher werden. Eine ausgelassene Gelegenheit bedeutet nicht, dass ihr den ganzen Zyklus falsch gemacht habt. Wer trotz guten Timings nicht sofort schwanger wird, hat damit auch keinen Beweis für eine ungeeignete Stellung.
Gleitmittel: Komfort und Kinderwunsch zusammen denken
Bei Trockenheit können mehr Zeit für Erregung und ein geeignetes Gleitmittel helfen. Einige Produkte beeinträchtigen Spermien im Labor. In Beobachtungsstudien mit Paaren zeigte die Verwendung von Gleitmittel insgesamt jedoch keine entsprechend geringere Empfängniswahrscheinlichkeit. Laborbefunde lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf eine einzelne Anwendung beim Sex übertragen.
Wenn ihr Gleitmittel braucht, ist ein für Kinderwunsch ausgewiesenes, auf Spermienverträglichkeit geprüftes Produkt eine vernünftige Wahl. Das bedeutet nicht, dass es die Fruchtbarkeit steigert. Verwende Speichel oder beliebige Haushaltsöle nicht als vermeintlichen Fruchtbarkeitstrick. Die unterschiedlichen Befunde sind in der ASRM-Fachübersicht beschrieben.
Wenn bestimmte Stellungen Schmerzen verursachen
Eine Stellung, die weh tut, muss für den Kinderwunsch nicht ausgehalten werden. Weniger Tiefe, eine andere Lage, mehr Zeit oder eine Pause können unmittelbar sinnvoll sein. Sag möglichst konkret, ob es am Eingang brennt, in der Tiefe drückt oder bei einer bestimmten Bewegung zieht. Das hilft beim Anpassen und bei einer späteren Untersuchung.
Wiederkehrende oder starke Schmerzen sollten gynäkologisch abgeklärt werden. Mögliche Ursachen reichen von Trockenheit und Beckenbodenproblemen bis zu Infektionen oder Endometriose. Ein Positionswechsel kann Beschwerden verändern, ersetzt aber keine Abklärung. ACOG: Schmerzen beim Sex
Wenn vaginaler Sex wegen Schmerzen, Erektions- oder Ejakulationsproblemen kaum möglich ist, müsst ihr nicht erst monatelang verschiedene Stellungen testen. Medizinische Beratung kann früher sinnvoll sein. Bei Samenspende ist Geschlechtsverkehr ohnehin keine Voraussetzung; zur getrennten Frage der vaginalen Insemination passt der Ratgeber zur Bechermethode.
Nach dem Sex: Liegenbleiben und herauslaufendes Sperma
Es ist normal, dass nach dem Sex Flüssigkeit wieder aus der Vagina läuft. Sie kann Samenflüssigkeit, Vaginalsekret und auch Spermien enthalten. An der sichtbaren Menge lässt sich aber nicht ablesen, wie viele Spermien bereits in Richtung Gebärmutterhals gelangt sind. Viel Flüssigkeit auf dem Laken bedeutet daher nicht, dass der Versuch erfolglos war.
Du darfst liegen bleiben, weil es angenehm ist, oder aufstehen, weil du etwas anderes vorhast. Es gibt keine belegte Mindestliegezeit nach natürlichem Geschlechtsverkehr. Beine an die Wand, ein Kissen unter dem Po oder absichtliches Zurückhalten von Flüssigkeit sind dafür nicht nötig.
Studien zum Ruhen nach einer intrauterinen Insemination kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Eine Studie von 2009 fand einen Vorteil von 15 Minuten Liegen, eine größere Studie von 2017 bestätigte ihn nicht. Bei dieser Behandlung werden aufbereitete Spermien direkt in die Gebärmutter eingebracht. Daraus lässt sich keine Liegevorschrift nach Sex ableiten. Während einer Behandlung gelten die Hinweise deiner Praxis. Custers et al., 2009, van Rijswijk et al., 2017
Die spätere Einnistung ist ein eigener Vorgang, der erst in den Tagen nach einer Befruchtung stattfindet. Durch Aufstehen direkt nach dem Sex kannst du sie nicht rückgängig machen.
Darf ich nach dem Sex auf die Toilette?
Ja. Wasserlassen nach dem Sex spült keine Spermien aus der Vagina und verhindert keine Schwangerschaft. Urin verlässt die Blase über die Harnröhre; der Scheideneingang ist eine andere Öffnung. Beim Pinkeln wird deshalb nicht der Weg geleert, über den Spermien zur Gebärmutter gelangen. MedlinePlus: Anatomie der Vagina
Wenn du Harndrang hast, geh zur Toilette. Urin nicht unnötig zurückzuhalten ist sinnvoll für die Blasengesundheit; Wasserlassen nach dem Sex garantiert allerdings keinen Schutz vor Harnwegsinfekten. Für den Kinderwunsch gibt es keinen Grund, eine volle Blase auszuhalten. NIDDK: Blasengesundheit
Brennen und häufiger Harndrang direkt nach dem Sex sind keine verlässlichen Schwangerschaftszeichen. Wenn diese Beschwerden im Vordergrund stehen, hilft die Einordnung zu Blasenbeschwerden nach Sex.
Duschen, Waschen und Vaginalspülungen
Du kannst den äußeren Intimbereich vorsichtig mit Wasser reinigen. Die Vagina muss innen nicht ausgespült werden: Vaginalspülungen können die natürliche Scheidenflora stören und verhindern keine Schwangerschaft. Auch beim Kinderwunsch ist kein besonderes Reinigungsritual nötig. Office on Women's Health: Vaginalspülungen
Wenn du gerade keine Schwangerschaft möchtest
Die gleiche Einordnung gilt in die andere Richtung: Sex im Stehen, Reiterstellung, Aufstehen, Duschen oder Wasserlassen schützen nicht vor einer Schwangerschaft. Auch ohne sichtbaren Samenerguss kann ein Risiko bestehen; mehr dazu erklärt der Beitrag zu Lusttropfen.
Nach ungeschütztem Sex oder einer Verhütungspanne zählt gegebenenfalls Notfallverhütung. Lass dich möglichst sofort in einer Apotheke oder ärztlich beraten. Je nach Wirkstoff kommt die Pille danach bis zu drei oder fünf Tage nach dem Sex infrage; möglichst frühe Einnahme ist wichtig. Daneben kann eine Kupferspirale zur Notfallverhütung infrage kommen. Warte dafür nicht auf Symptome oder einen Schwangerschaftstest. gesund.bund.de: Notfallverhütung
Für künftigen Schutz ist eine verlässliche Methode nötig. Der Ratgeber zur richtigen Kondomanwendung hilft bei häufigen Anwendungsfehlern.
Wann ein Schwangerschaftstest sinnvoll ist
Ein Test unmittelbar nach dem Sex kann noch nicht zeigen, ob daraus eine Schwangerschaft entsteht. Die meisten Urintests sind ab dem Tag sinnvoll, an dem die Periode ausbleibt. Wenn du nicht weißt, wann sie fällig wäre, ist ein Test mindestens 21 Tage nach dem letzten ungeschützten Sex eine hilfreiche Orientierung. Beachte auch die Gebrauchsanweisung. NHS: Schwangerschaftstest
Bei einem frühen negativen Ergebnis und weiter ausbleibender Periode kann ein erneuter Test nach einigen Tagen sinnvoll sein. Die Stellung, die Menge herausgelaufener Flüssigkeit oder ein Gefühl direkt nach dem Sex beantworten diese Frage nicht. Mehr dazu findest du bei Bin ich schwanger?
Wann ihr den Kinderwunsch abklären lassen solltet
Bleibt eine Schwangerschaft aus, hilft irgendwann eine gemeinsame Abklärung mehr als ein weiterer Stellungstipp. Als Orientierung nennt die ASRM bei regelmäßigem ungeschütztem Sex:
- Unter 35 Jahren: Abklärung nach zwölf Monaten ohne Schwangerschaft.
- Mit 35 bis 40 Jahren: Abklärung nach sechs Monaten.
- Über 40 Jahren: Eine zeitnahe Beratung kann schon zu Beginn sinnvoll sein.
Gemeint ist hier das Alter der Person, die durch Sex schwanger werden möchte. Eine frühere Abklärung ist sinnvoll, wenn Zyklen ausbleiben oder sehr unregelmäßig sind, Schmerzen oder bekannte fruchtbarkeitsrelevante Erkrankungen vorliegen. Das gilt ebenso bei vermuteten Problemen mit Spermien, Erektion oder Samenerguss. Beide Partner sollten von Anfang an einbezogen werden. ASRM: Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch
Ein Spermiogramm kann dabei ebenso relevant sein wie die Frage nach Eisprung oder Eileitern. Die Untersuchung ist keine Bewertung eures Sexlebens. Sie soll zeigen, ob ein behandelbarer Faktor bisher übersehen wurde.
Ein einfacher Plan ohne Stellungsdruck
- Wählt eine oder zwei Positionen, in denen ihr euch wohlfühlt und gut miteinander sprechen könnt.
- Plant regelmäßigen Sex ein, ohne jeden Kontakt auf einen einzelnen berechneten Eisprungtag zu konzentrieren.
- Nehmt Trockenheit und Schmerzen ernst und passt den Ablauf an, statt eine Position durchzuhalten.
- Geht danach nach eurem Befinden: liegen bleiben, aufstehen oder zur Toilette gehen.
- Holt euch rechtzeitig Unterstützung, wenn es nicht klappt oder Sex zum dauerhaften Belastungsthema wird.
Nähe darf dabei auch ohne Penetration oder Samenerguss stattfinden. Nicht jede Begegnung muss ein Versuch sein. Für einen breiteren Überblick über die Vorbereitung auf eine Schwangerschaft gibt es den Ratgeber Schwanger werden: Was helfen kann.
Fazit
Die Theorien zu Schwerkraft und Eindringtiefe haben einen nachvollziehbaren körperlichen Ausgangspunkt. Ein belegter Vorteil für die Schwangerschaftschance ergibt sich daraus bisher nicht. Wählt eine Stellung, die euch gefällt, nutzt die fruchtbaren Tage regelmäßig und holt bei Bedarf rechtzeitig medizinischen Rat. Wie tief der Penis eindringt und ob du danach aufstehst oder zur Toilette gehst, muss dabei nicht zum Leistungstest werden.



