Die kurze Antwort zuerst
Es gibt keine spezielle Stellung, die nachweislich zu einer höheren Schwangerschaftsrate führt. Entscheidend ist, dass Spermien in die Scheide gelangen und der Zeitpunkt im fruchtbaren Fenster liegt.
Viele Empfehlungen zu bestimmten Positionen klingen logisch, sind aber medizinisch nicht belegt.
Warum die Frage nach der Stellung so verbreitet ist
Wenn ein Kinderwunsch da ist, möchte man nichts falsch machen. Die Idee, mit einer bestimmten Stellung die Chancen zu erhöhen, vermittelt Kontrolle in einer Situation, die sich oft unsicher anfühlt.
Top-Ratgeber und große Gesundheitsportale sind sich hier einig: Die Stellung wird überschätzt, andere Faktoren werden unterschätzt.
Was biologisch wirklich zählt
Eine Schwangerschaft entsteht, wenn eine befruchtungsfähige Eizelle und ausreichend bewegliche Spermien zur richtigen Zeit aufeinandertreffen. Dafür sind vor allem diese Punkte entscheidend.
- Eisprung und fruchtbares Zeitfenster
- Spermienqualität und -beweglichkeit
- Regelmäßiger Samenerguss in den Tagen vor dem Eisprung
- Ungestörter Abfluss der Spermien in Richtung Gebärmutter
Die Stellung beeinflusst diese Faktoren kaum. Spermien sind beweglich und erreichen den Gebärmutterhals unabhängig von der Position.
Welche Rolle die Schwerkraft spielt und welche nicht
Ein häufiger Mythos ist, dass die Schwerkraft entscheidend sei. Stellungen, bei denen der Penis von oben eindringt, gelten deshalb als besonders geeignet.
Medizinisch ist das nicht belegt. Spermien schwimmen aktiv und sind nicht darauf angewiesen, nach oben oder unten zu fließen. Studien zeigen keinen klaren Vorteil bestimmter Positionen.
Nach dem Sex liegen bleiben: sinnvoll oder Mythos?
Viele empfehlen, nach dem Sex liegen zu bleiben oder das Becken hochzulagern. Auch dafür gibt es keine starken Belege.
Ein kurzes Liegen kann entspannend sein, ist aber kein Muss. Entscheidend ist nicht, was nach dem Sex passiert, sondern was davor im Zyklus passiert.
Wann Positionen indirekt doch eine Rolle spielen können
Auch wenn die Stellung selbst keinen direkten Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat, kann sie indirekt eine Rolle spielen.
- Wenn eine Position schmerzfrei und entspannt ist, wird Sex häufiger möglich
- Weniger Stress kann den Zyklus positiv beeinflussen
- Gute Erregung verbessert die natürliche Feuchtigkeit und den Transport der Spermien
In diesem Sinne ist die beste Stellung die, die sich für beide angenehm anfühlt.
Mythen und Fakten rund um Stellung und Schwangerschaft
Rund um das Thema kursieren viele Halbwahrheiten. Ein klarer Blick hilft, unnötigen Druck zu vermeiden.
- Mythos: Bestimmte Stellungen erhöhen die Chancen deutlich. Fakt: Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege.
- Mythos: Ohne Schwerkraft klappt es nicht. Fakt: Spermien bewegen sich aktiv.
- Mythos: Man muss nach dem Sex lange liegen bleiben. Fakt: Das ist nicht notwendig.
- Mythos: Je komplizierter die Stellung, desto besser. Fakt: Komplexe Positionen bringen keinen Vorteil.
- Mythos: Sex nur am Eisprungtag reicht. Fakt: Die fruchtbaren Tage davor sind genauso wichtig.
Was stattdessen sinnvoll ist
Wer schwanger werden möchte, sollte den Fokus auf gut belegte Faktoren legen.
- Fruchtbare Tage kennen und nutzen
- Alle ein bis zwei Tage Sex im fruchtbaren Fenster
- Druck und Leistungsdenken reduzieren
- Auf ausreichende Zeit und Erregung achten
Ein sachlicher Überblick zum fruchtbaren Fenster findet sich bei der NHS zum Schwangerwerden und bei CDC zur Fruchtbarkeit.
Wann ärztliche Abklärung sinnvoll wird
Wenn trotz regelmäßigem Sex über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt, kann eine medizinische Abklärung helfen. Das gilt unabhängig von der Stellung.
Frühzeitig über Zyklus, Spermienqualität und hormonelle Faktoren zu sprechen, ist oft hilfreicher als weitere Experimente mit Positionen.
Fazit
Welche Stellung zum Schwangerwerden die beste ist? Keine bestimmte. Die Stellung entscheidet nicht über Erfolg oder Misserfolg.
Wichtiger sind Timing, Entspannung und Regelmäßigkeit. Wer sich von Mythen löst, nimmt Druck raus und schafft oft die besseren Voraussetzungen.

