Was Hämorrhoiden eigentlich sind
Hämorrhoiden sind kein Fremdkörper, sondern Gefäßpolster im Enddarm, die bei allen Menschen vorhanden sind. Sie helfen dabei, den After fein abzudichten. Beschwerden entstehen, wenn diese Polster anschwellen, nach außen drängen oder sich entzünden.
Im Alltag wird Hämorrhoiden oft als Sammelbegriff für alles genutzt, was am After juckt, schmerzt oder blutet. Genau deshalb lohnt sich eine saubere Einordnung, damit du nicht an der falschen Stelle herumdokterst.
Warum Hämorrhoiden nach der Geburt so oft auftreten
Im Wochenbett kommen mehrere Faktoren zusammen. Schwangerschaft erhöht den Druck im Becken, das Gewebe ist stärker durchblutet und die Venen werden belastet. Unter der Geburt kommen Pressen und Dehnung dazu.
Nach der Geburt verstärken oft ganz praktische Dinge die Beschwerden: Angst vor Schmerzen, weniger Bewegung, ungewohnte Toilettenroutine und Verstopfung. Wenn der Stuhl hart ist oder du pressen musst, wird das Gefäßpolster zusätzlich gereizt.
Typische Verstärker im Wochenbett
- Verstopfung und harter Stuhl, oft durch Stress, wenig Schlaf, zu wenig Trinken oder Eisenpräparate
- Pressen beim Stuhlgang
- Langes Sitzen, besonders auf harten Flächen
- Schmerzen oder Narben im Dammbereich, die Toilettengänge unbewusst verkrampfen lassen
Wie sich Hämorrhoiden anfühlen können
Viele merken vor allem Schmerz beim Stuhlgang, Brennen, Jucken oder das Gefühl, dass etwas im Afterbereich drückt. Manchmal gibt es hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier oder auf dem Stuhl. Das kann beängstigend sein, ist aber bei Hämorrhoiden oft oberflächlich.
Häufige Symptome
- Schmerz beim Stuhlgang oder danach
- Jucken, Brennen, gereizte Haut
- Druckgefühl oder Knoten am After
- Hellrote Blutspuren, meist eher wenig
Eine gute Basisübersicht, wie Hämorrhoiden entstehen und welche Selbsthilfemaßnahmen üblich sind, bietet das NHS. NHS: Piles haemorrhoids
Wichtig: nicht alles ist Hämorrhoide
Im Wochenbett werden Hämorrhoiden oft mit zwei anderen Dingen verwechselt. Das ist nicht pingelig, sondern praktisch, weil die Behandlung sich unterscheiden kann.
Analvenenthrombose
Das ist ein plötzlich auftretender, sehr schmerzhafter Knoten am After, oft mit starkem Druckgefühl. Er kann blauviolett wirken und tut häufig unabhängig vom Stuhlgang weh. Manchmal wird das als äußere Hämorrhoide bezeichnet, ist aber etwas anderes.
Afterfissur
Eine Fissur ist ein kleiner Einriss der Haut. Typisch ist stechender Schmerz beim Stuhlgang, oft wie ein Schnitt, und manchmal anhaltendes Brennen danach. Hier steht Stuhlweichheit und Reizreduktion besonders im Vordergrund.
Sicher entlasten: was im Wochenbett meist wirklich hilft
Das Ziel ist nicht, alles wegzuzaubern. Das Ziel ist weniger Druck, weniger Reizung und ein Stuhlgang ohne Pressen. Wenn das gelingt, beruhigt sich bei vielen die Situation innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen.
Stuhl weich halten ohne Drama
- Trinken, regelmäßig über den Tag verteilt
- Ballaststoffe über Essen, zum Beispiel Hafer, Obst, Gemüse, Flohsamenschalen mit ausreichend Wasser
- Kurze Toilettensitzzeiten, kein langes Warten auf dem Klo
- Wenn nötig, in Absprache mit medizinischem Team ein Stuhlweichmacher, besonders wenn Pressen sonst unvermeidlich ist
Das NIDDK erklärt gut, warum weicher Stuhl und das Vermeiden von Pressen zentrale Hebel bei Hämorrhoiden sind. NIDDK: Hemorrhoids
Sitzbad, Kühlen, Wärme
Ein Sitzbad kann angenehm sein, wenn du es kurz hältst und das Wasser lauwarm ist. Manche profitieren mehr von Kühlen, andere mehr von Wärme. Entscheidend ist, dass es beruhigt und nicht austrocknet oder brennt.
- Sitzbad kurz und lauwarm, danach sanft trocken tupfen
- Kühle Kompressen bei Schwellung, aber nicht eiskalt und nicht direkt auf nackter Haut
- Wärme eher bei Verspannung, wenn es sich wohltuend anfühlt
Salbe, Zäpfchen und was du dabei beachten solltest
Viele fragen nach einer Salbe, weil sie schnell helfen soll. Lokale Mittel können Symptome wie Juckreiz und Brennen dämpfen, aber sie lösen das Grundproblem nicht, wenn du weiter pressen musst. Achte auf kurze Anwendung, klare Indikation und gute Verträglichkeit. Wenn du stillst oder unsicher bist, ist die Apotheke eine gute Anlaufstelle, um ein passendes Präparat auszuwählen und Wechselwirkungen zu vermeiden.
Hygiene ohne Reizung
- Nach dem Stuhlgang, wenn möglich, mit Wasser reinigen oder mit weichem, unparfümiertem Papier
- Keine aggressiven Feuchttücher mit Duftstoffen oder Alkohol
- Atmungsaktive Unterwäsche, keine engen Nähte, die scheuern
Alltagstricks, die oft unterschätzt werden
Im Wochenbett sind es oft die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Wenn du Schmerzen hast, vermeidest du unbewusst Anspannung, hältst den Atem an und presst dann doch.
Praktische Entlastung
- Weiches Sitzkissen oder seitlich sitzen, wenn direktes Sitzen schmerzt
- Aufstehen über die Seite statt gerade hoch, um Druck nach unten zu reduzieren
- Beim Stuhlgang Füße erhöht abstellen, damit es leichter geht
- Wenn du merkst, du presst, kurz stoppen, ausatmen, neu ansetzen
Wann Abklärung sinnvoll ist
Viele Fälle sind unangenehm, aber gut beherrschbar. Trotzdem gibt es klare Situationen, in denen du nicht einfach abwarten solltest, weil dahinter etwas anderes stecken kann oder weil du unnötig leidest.
Abklären lassen, wenn
- du starke Blutungen hast oder Blut im Stuhl häufiger und mehr wird
- du Schwindel, starke Schwäche oder Herzrasen bemerkst
- du Fieber hast oder der Bereich sehr stark gerötet, überwärmt und zunehmend schmerzhaft ist
- du einen plötzlich sehr schmerzhaften, harten Knoten bekommst
- du nach ein bis zwei Wochen keine erkennbare Besserung hast trotz weichem Stuhl und Entlastung
Wenn du das Gefühl hast, dass die Beschwerden dich im Wochenbett aus dem Alltag drängen, ist das allein schon ein guter Grund für Hilfe. Du musst das nicht aushalten, um es dir zu beweisen.
Mythen und Fakten im Wochenbett
- Mythos: Eine Salbe löst das Problem alleine. Fakt: Entlastung entsteht vor allem durch weichen Stuhl und weniger Pressen.
- Mythos: Blut bedeutet immer etwas Gefährliches. Fakt: Hellrotes Blut kann bei Hämorrhoiden vorkommen, sollte aber bei stärkerer oder anhaltender Blutung abgeklärt werden.
- Mythos: Sitzbäder müssen heiß sein. Fakt: Lauwarm ist oft besser verträglich, zu heiß kann reizen.
- Mythos: Du darfst nicht über Stuhlgang sprechen. Fakt: Genau das ist der Hebel, der oft die schnellste Entlastung bringt.
Fazit
Hämorrhoiden nach der Geburt sind häufig, vor allem wenn Verstopfung und Pressen dazukommen. Die sichersten Hebel sind Stuhl weich halten, Reizung reduzieren und den Alltag so anpassen, dass weniger Druck entsteht. Sitzbad und Salbe können Symptome dämpfen, aber der wichtigste Schritt ist ein Stuhlgang ohne Stress. Wenn Blutungen stärker werden, starke Knoten entstehen oder keine Besserung eintritt, ist Abklärung sinnvoll.

